Foto: © tiny heirloom

Nachhaltigkeit, einmalige Wohnlage oder Minimalismus – es gibt viele Gründe, in sogenannte „Tiny Houses“ zu ziehen. Denn oft ist weniger eben mehr. Jahrzehntelang beanspruchten die Menschen immer mehr Wohnraum. Doch jetzt ist eine Gegenbewegung entstanden…


David Torcasso – Journalist, Minimalist

Zukunftstrends, Innovation und Gesellschaft sind seine Themen, mit Standbeinen in Berlin und Zürich schreibt David Torcasso u.a. für die NZZ, Die Zeit oder Brand Eins. Sein Ziel: möglichst wenige Dinge zu besitzen.

 


Vor allem jüngere Leute wünschen sich kleinere Wohnungen mit weniger Wohnfläche. Die Gründe liegen auf der Hand: gestiegene Mieten in den Städten, die steigende Anzahl von Single-Haushalten und der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit. Als Spitze des Eisbergs hat diese Bewegung Häuser auf kleinstem Raum hervorgebracht: die „Tiny Houses“, wie etwa vom Berliner Architekten Van Bo Le-Mentzel entworfen. Die Antwort auf das Raumproblem wird aber nicht nur von Architekten mit ihren „Mini-Häusern“ gegeben, sondern auch Immobilienfirmen haben den Trend erkannt: Bei den sogenannten Mikro-Apartments beträgt die Wohnfläche zwischen 20 und 40 m², sie sind möbliert und meist gut gelegen.

Die bescheidene Wohnfläche geht einher mit dem Drang zum Minimalismus einer neuen Generation. Was brauche ich wirklich im Leben? Die Beschränkung auf das Nötigste und die befriedigende Trennung von Konsumgütern manifestieren sich in der Befreiung des Wohnraums, in dem sich sowieso zu viele Dinge anhäufen. In den begehrten Lagen in den Innenstädten ist dafür kein Platz mehr.

Ein Raum. Alles drin.

Quadratisch, praktisch, kompakt Effiziente Raumplanung: Hier ein Beispiel, wie auf wenigen Quadratmetern alle Wohnbereiche ihren Platz finden.

Sharing Economy auch beim Wohnen

„Tiny Houses“ eignen sich für Studenten, Wochenpendler, Business-Globetrotter oder Senioren. Dank der kleinen Fläche können sie zu bezahlbaren Mieten angeboten werden. Die aufkommende Sharing Economy unterstützt diese Lebensweise mit gemeinsam genutzten Fitnessräumen oder Küchen. Sind die Bewohner verreist, können sie ihre Bleibe ganz einfach auf Homesharing- Plattformen wie Airbnb vermieten. In Deutschland steht die Bewegung noch am Anfang – auch, weil die gesetzlichen Grundlagen fehlen. „Tiny Houses“ sind zwischen 10 und 50 m² groß, verfügen aber über die gleichen Komponenten wie ein normales Haus: Sitzgelegenheiten, eine Essecke, Dusche und ein Schlafzimmer sind auf kleinstem Raum untergebracht.

Kleine handliche Küchen

Bewohner eines Mini-Hauses müssen auf nichts verzichten. Sie verfügen natürlich auch über eine gut ausgestattete Küche – und was für eine! Sie bietet zwar deutlich weniger Platz als eine herkömmliche Küche, im Gegenzug lässt sich durch die Reduzierung auf ihre Funktionalität mit nur wenigen Handgriffen rasch ein ganzes Menü zubereiten. Dabei überzeugt sie durch clever genutzten Stauraum und vielseitig einsetzbare Kochgeräte. So verschwinden Pfannen oder Teller in Schränken, die durch eine Drehfunktion weniger Raum beanspruchen.

Wichtig sind auch ein separates Kochfeld und ein Backofen mit Mikrowellen-Funktion. Das Kochfeld wird dabei in die Arbeitsfläche integriert. Darunter liegt offener Stauraum, die Mikrowelle kann in einem Oberschrank untergebracht werden. Und ganz wichtig: Kein Verzicht auf eine Spülmaschine. Denn dreckiges Geschirr hat schließlich keinen Platz in einem „Tiny House“.

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